Meine Erfahrung mit dem Minimalismus

Die Momente, in denen wir mit der Situation überfordert sind und nicht mehr klar denken können scheinen sich zu häufen. Wir konsumieren zu viel, kaufen zu viel, erledigen wir zu viel. Von vielen wird Minimalismus als „die Lösung“ für das Chaos angepriesen, dass jeden Tag über uns hereinbricht.

Viele Blogger und Autoren raten ein Leben zu führen, dass eine Reduzierung auf ein Minimum zum Ziel hat. Indem man den Umfang seiner Besitztümer auf die Einrichtung einer Einzelzelle reduziert, soll man glücklicher und zufrieden werden — daran habe ich meine Zweifel.

Obwohl ich die Reduzierung des Überflüssigen gut finde, glaube ich nicht, dass strikter Minimalismus auf Dauer glücklich macht. Vielmehr geht es darum, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ich möchte dir in diesem Beitrag zeigen, dass es darum geht, den Fokus auf die wichtigen Dinge zu lenken. Zu einem guten Leben gehört weitaus mehr als nur wenig zu besitzen. Erfahre welche Vorteile ein essentialistischer Lebensstil für dich haben kann.

Lesezeit: ca. 7 Minuten

Wie ich dem Minimalismus begegnet bin

Eine Zeitungsbeilage im Mai 2015, hat mich auf die Spur des Minimalismus gebracht und mein Leben ziemlich umgekrempelt. Die Grundbotschaft war schnell klar — weniger macht zufrieden. Die Buchempfehlung des Redakteurs brachte mich auf das Minimalisten-Duo Joshua Fields Millburn und Ryan Nicodemus .

Mich faszinierten die zwei  Ex-Manager, die statt teuren Autos und Häusern, den heiligen Gral im Aussortieren gefunden haben. Bei der Geschichte der beiden blieb bei mir besonders ein Aspekt hängen:

Minimalismus schafft Klarheit

Wer sich mit weniger beschäftigen muss, der hat Zeit sich den wichtigen Dingen zu widmen. Stress reduziert man dadurch automatisch.

Macht weniger Besitz zufriedener?

Sind Menschen die am wenigsten besitzen wirklich zufriedener? Ich habe mir einige Bücher zum Thema Minimalismus reingezogen und stieß irgendwann auf den von Greg McKeown verwendeten Begriff des Essentialismus – Bingo!

Dieser hat nichts mit dem philosophischen Begriff zu tun. Hier geht es um den Fokus auf das Wesentliche – identifiziere die Dinge, auf die es wirklich ankommt.

Minimalismus vs. Essentialismus

Essentialismus und Minimalismus überschneiden sich in vielen Punkten. Bei beiden Themen geht es im Kern um die Reduktion des Überflüssigen.

Sehr oft wird der Minimalismus als „die Alternative“ zur konsumorientierten Gesellschaft gesehen. Kaufverweigerung und wenig Besitz, sind meiner Meinung nach aber nicht die Lösung.

Generell bin ich für einen nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen. Der Handel mit Dingen und die daraus resultierende Kaufkraft haben uns aber erst diese privilegierte Lebensweise ermöglicht — vor allem dem Westen. Konsum ist daher nichts grundsätzlich schlechtes, er sollte jedoch gut überlegt sein.

Essentialismus stellt vielmehr den Fokus ins Zentrum. Man richtet seine Anstrengungen und Aufmerksamkeit auf das was wirklich wichtig ist – der Rest wird gezielt weggestrichen.

Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass ich immer dann zu befriedigenden Antworten und Lösungen gekommen bin, wenn ich zum Kern einer Sache vorgedrungen bin. Dazu gehört es einen Blick auf das Große und Ganze zu entwickeln und sich mit den Hintergründen zu beschäftigen.

In jedem Thema steckt eine Art Gravitationszentrum, um das sich alles anordnet. Sobald man das entdeckt hat, ergibt alles einen Sinn.

Daher ist es wichtig, dass du dich mit den Dingen auseinandersetzt und dir Wissen aneignest, bevor du Entscheidungen triffst. Der Essentialismus spielt dabei eine wichtige Rolle.

Die Vorteile des Essentialismus

Statt sich mit vielen Dingen gleichzeitig zu beschäftigen, widmet man sich fokussiert einer Sache. Du wirst zu deutlich besseren Ergebnissen kommen, wenn du deine Aufmerksamkeit nicht mit hundert anderen Dingen teilst.

Das steht im klaren Gegenteil zu unserer heutigen Gesellschaft, in der alles gleichzeitig passiert. Hier kann ich dir das Buch Alles hat seine Zeit, nur ich hab keine von Karlheinz Geißler ans Herz legen. Wir stehen nicht mehr nur unter dem Druck alles schnell zu erledigen, sondern viele Dinge zeitgleich.

Der Mythos vom Multitasking

Eine zeit lang habe ich Menschen bewundert die vieles gleichzeitig erledigen können. In Wirklichkeit beherrscht Multitasking niemand wirklich gut. Manche schaffen es, dass es zumindest so aussieht.

Natürlich kann man einen Kaffee trinken und gleichzeitig mit jemanden über das Wetter sprechen, ohne dabei den Faden zu verlieren. Aber hast du schon mal versucht eine Nachricht zu schreiben und dabei jemandem aufmerksam zuzuhören? Multitasking funktioniert genau dann nicht mehr, wenn man sich konzentrieren muss.

Folge deiner Linie

Wir tendieren sehr oft unsere Meinung zu ändern und uns von anderen ablenken zu lassen. Bei unserem Konsumverhalten ist das ganz ähnlich.

Mal springen wir auf den einen Trend auf, mal auf den anderen, aber selten sind wir wirklich zufrieden. Es fehlt uns oft einfach der Fokus und ganz oft lassen wir uns von anderen einreden was gut für uns ist.

Wer genau weiß was er will, ist nicht auf die Meinung anderer angewiesen. Du bist einfach selbstbewusster und stehst hinter deinen Entscheidungen. Als Essentialist fokussierst du dich auf das Wesentliche und verzichtest auf unwichtige Dinge. Das ist nicht immer leicht und erfordert Selbstdisziplin.

Achtung: Es wird immer jemanden geben der es besser weiß. Wichtig ist, dass du bei allem was du tust, deiner Linie treu bleibst. Je mehr du über die Zusammenhänge Bescheid weißt, desto weniger musst den Bullshit-Geschichten glauben.

Mein Ziel ist es nicht dich beratungsresistent und ignorant gegenüber anderen Menschen zu machen. Begreife den Essentialismus als Werkzeug, mit dem du bewusster entscheiden kannst, was du in dein Leben integrieren möchtest.

Wie bringt dir Essentialismus mehr Klarheit?

Was kann der Essentialismus also konkret dazu beitragen, dass du fokussierter wirst und mehr Klarheit in deinen Alltag bringst?

Nein sagen

Indem du zu Dingen nein sagst, schaffst du Platz für Sachen, die dir guttun. Wann immer es dir möglich ist selbst zu entscheiden, solltest du nur das geile Zeug in dein Leben lassen.

Diese Vorgehensweise ähnelt dem Filmschnitt. Du schneidest alle nicht wichtigen Szenen und Bilder raus. Am Ende bleibt nur das übrig, was für die Erzählung der Geschichte wirklich notwendig ist.

Im Jetzt leben und fokussieren

Einer der größten Vorteile eines essentialistischer Lebensstils ist es, sich auf den Moment konzentrieren zu können. Nichts hält einen mehr davon ab seine Ziele zu erreichen, als in der Vergangenheit zu graben oder sich um die Zukunft Sorgen zu machen.

Fokussiere dich deshalb auf das Jetzt, das ist das einzige was du wirklich steuern kannst.

Wir neigen dazu, uns an Besitztümer zu klammern. Gewohnheiten fallen zu lassen, fällt uns schwer. Reflektiere und frag dich, wie sehr du etwas haben möchtest.

Stell dir vor, wie viel du dafür aufwenden würdest, wenn du es noch nicht besitzen würdest. Würdest du es jetzt kaufen? Nein? Dann weg damit!

Sei dir deiner Ziele bewusst

Sich Ziele zu setzten ist nicht einfach, vor allem diese erstmal klar zu definieren. Trotzdem ist es notwendig zu wissen, in welche Richtung dein Leben gehen soll.

Frag dich, wie deine Zukunft aussehen müsste, damit du glücklich wärst — egal ob das deine Arbeit, Privatleben oder deine Freizeit betrifft. In einem Jahr sieht das wahrscheinlich wieder anders aus. Aber wie willst du dich in eine Richtung bewegen, wenn du nicht weißt wohin?

Sobald du weißt, wohin die Reise gehen soll, musst du alles Überflüssige wegstreichen. Alles was dir nicht guttut oder was nicht in dein Lebenskonzept passt, fällt dem Rotstift zum Opfer.

Oft bedeutet das auch zu Dingen Nein zu sagen, die du eigentlich gerne machst. Deine von dir definierten Werte und Ziele, werden dir dabei helfen auf dem Weg zu bleiben. Und versuch bitte auch niemals, es allen recht zu machen — du wirst das nicht schaffen.

Man kann nicht alles haben

Du wirst garantiert immer wieder auf Entscheidungen stoßen, wo es darum geht dich für ein Problem zu entscheiden. Ersetzen wir das Wort Problem lieber durch Aufgabe.

Essentialismus bedeutet sich auf die Aufgaben zu konzentrieren, die dich weiterbringen und dauerhaft zufrieden machen. Ich weiß aus Erfahrung, dass man dazu tendiert alle Probleme lösen zu wollen.

Das Resultat sind unbefriedigende Ergebnisse, weil du bei zu vielen Aufgaben den Fokus verlierst.

Ich weiß, es gibt Beispiele die zeigen, wie viel manche Menschen erreicht haben, indem sie viel Energie dafür aufgewendet haben, um wirklich alles im Griff zu haben. Meist entsteht so aber nur noch mehr Chaos. Daher geh lieber strukturiert und mit einem Plan vor, und teile dir deine Energie gut ein.

Ein paar Daumenregeln

In manchen Fällen ist es gut, wenn man sich an ein paar greifbare Regeln halten kann. Hier ein paar Prinzipien und Tools, mit denen du Essentialismus ziemlich einfach in deinen Alltag integrieren kannst:

Paretoprinzip

Das Paretoprinzip besagt, dass 80 Prozent der Ergebnisse, mit 20 Prozent des Gesamtaufwandes erreicht werden können. Es ist daher wichtig die Dinge zu identifizieren, die dich wirklich weiterbringen.

Wende deine Energie für diese 20 Prozent auf und lass dich nicht ablenken.

Für Perfektionisten ist diese Regel nicht immer leicht anzuwenden. Überprüfe daher immer deinen Fokus. Stell dir die Frage, ob dich deine Aufgabe deinem Ziel einen großen Schritt näher bringt.

Die 90-Prozent-Regel

Wenn du dich auf das Wichtige fokussieren willst, dann musst du dich auch entscheiden. Die 90-Prozent-Regel hilft dir bei deiner Entscheidungsfindung, die ein echtes Gezerre sein kann.

Bewerte jede Möglichkeit die du hast, von 0 bis 100 Prozent. Wenn du von etwas nicht mindestens zu 90 Prozent überzeugt bist, dann mach einen Bogen darum und lass es sein.

Puffer einplanen

Ich weiß, unsere Zeit ist kostbar und für manche ist sogar Schlaf eine zeitraubende Angelegenheit. Plane trotzdem bei all deinen Vorhaben genug Puffer ein. Damit stellst du sicher, dass nicht schon bei kleinen Problemen alles aus dem Ruder gerät.

Du kennst sicher dieses Beispiel: Aus 5 Minuten Einkaufen werden schnell 20 und schon ist der Plan beim Teufel. Vermeide solche Engpässe indem du einfach deine ursprünglich geplante Zeit verdoppelst. Du wirst deine Aufgaben entspannter erledigen. Falls du mal schneller fertig bist, hast du Zeit zum Durchatmen.

Routine ist dein Freund

In unserem hektischen und abwechslungsreichen Alltag tun dir Ankerpunkte gut und geben dir Sicherheit. Durch Routinen wiederholst du Abläufe automatisch und trainierst sie dir an — das spart Energie.

Steh zum Beispiel immer zur gleichen Zeit auf und schaff dir eine Morgenroutine. Das verschafft dir schon am Anfang des Tages mehr Klarheit.

Meditation, Sport und Ernährung

Um einen klaren Kopf zu behalten musst du geistig und körperlich fit sein. Regelmäßiger Sport, Meditation und gesunde Ernährung sorgen dafür, dass du gut drauf und ausgeglichener bist. Mehr zu diesen Themen erfährst du in einem anderen Blogbeitrag.

Setze dir Miniziele

Teil dir ein Ziel in Etappen ein. Du erledigst Stück für Stück und der Fortschritt motiviert dich weiterzumachen. Den Fortschritt motiviert uns am meisten — sogar mehr als Geld. Man hantelt sich von Minierfolg zu Minierfolg. So bleibst du am Ball und kommst den großen Zielen wirklich näher.

Frag dich was ein erster kleiner Schritt sein kann und mach dann noch einen. Und dann noch einen. Wenn du am Ende des Tages auf die vielen erledigten Schritte siehst, dann bist du zufriedener und motiviert weiter zu machen.

Mach das schwierigste zuerst

Wenn du dir für einen Tag mehrere Dinge vorgenommen hast, dann erledige das schwierigste zuerst. Am Anfang des Tages hast du mehr Energie und kannst dich besser auf deine Sache konzentrieren.

Ist Essentialismus für jeden?

Wenn du versuchst ein besseres, fokussierteres Leben zu führen, dann helfen How-to-Anleitungen meiner Meinung nach nur bedingt. Der Alltag verhält sich nun mal nicht wie ein Checkliste und jeder Tag hält neue Herausforderungen bereit.

Das Konzept des Essentialismus hilft dir dabei Entscheidungen mit mehr Klarheit zu treffen ohne dabei alles reduzieren zu müssen. Wenn du weißt, worauf es ankommt, dann kannst du Entscheidungen einfacher treffen.

Wichtig ist, dass der Spaß nicht zu kurz kommt. Versuche ein erfülltes Leben zu leben und begeistere dich, für das was du tust. Wenn das nicht möglich ist, dann überlege dir einen Alternativplan. Essentialismus hilft dir immer dann, wenn du dich entscheiden musst und lässt es offen welchen Weg du gehst.

Es bleibt ganz allein dir überlassen, wie dein Leben aussehen soll. Ich bin davon überzeugt, dass sich das Konzept des Essentialismus für alle eignet, die ihr Leben aktiv gestalten wollen.

Leg los und mach das Beste aus deiner Zeit

Wenn du dein Leben wirklich verändern und Rhytmus in deinen Alltag bringen willst, musst du dran bleiben. Ich schicke dir dazu ab sofort regelmäßig Tipps und Storys, die dich motivieren. Trag dich ein und lerne:

➤ Wie du deine Ziele fokussiert verfolgst

➤ Wie du mit deiner Zeit besser umgehst

➤ Wie du dein Leben aktiver gestaltest

Ich freue mich schon darauf, dein Leben zu bereichern.

2019-05-17T10:24:08+01:00Lifestyle|0 Kommentare

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